Magische Momente in der Dorfkirche Beitsch
Von Jens Dräger - 16.08.2017

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Beim letzten Klassik-Konzert der Reihe „Vorraum zum Paradies“ welches am letzten Freitag im polnischen Biecz(Beitsch) statt fand, war die 1719 vom Dresdener Baumeister George Bähr erbaute kleine Feldsteinkirche bis auf den letzten Platz gefüllt. Ca. 100 Besucher kamen aus Forst, Brody und weiteren umliegenden Orten, um die fünfunddreißigjährige Kroatin Jesenka Balic Zunic zu erleben, die auf ihrer Barockvioline Werke von Johann Sebastian Bach spielte. Die sympatische Musikerin gab auch den deutschen Besuchern einen Einblick in die Historie dieses seltenen Streichinstrumentes mit dem Bläserklang, auf welchem bereits J.S.Bach komponierte. Die fünfsaitige Violine mit den vielen Namen, man nennt sie auch Fagottgeige, Viola di Spala, Cello da Spalla, Viola Pomposa, aber auch Schulter-Cello, inspirierte Bach durch ihre klangliche Vielfalt auch dazu, selbst auf diesem Instrument zu spielen. Ryszard Kowalczuk, Bürgermeister von Brody, würdigte im Nachgang noch einmal alle Künstler, die in den letzten Monaten an verschiedenen Orten in Polen ohne Gage und bei freiem Eintritt gespielt haben. Auch dieser Abend war ein ganz besonderer Abend, an den die Besucher und Klassikfreunde sicherlich noch lange zurückdenken werden. Die Musikerin Jesenka Balic Zunic, die bereits mit acht Jahren anfing, Violine zu spielen und später in Kopenhagen Barockgeige studierte, nahm die Besucher in der authentischen Atmosphäre der Beitscher Dorfkirche mit auf eine Reise in die Welt der Klassik und verwöhnte die Anwesenden mit ihrer außergewöhnlichen Spielweise, mit Charme und viel Gefühl. Als festes Mitglied des Orchesters Kore verzauberte sie bereits an den vorangegangenen Abenden. Am Samstag trat sie als Solistin mit dem Cello da Spalla, einem Instrument, welches weltweit nur sehr selten gespielt wird, auf. In ihrer Autobiografie ist zu lesen: „ Ich möchte meine ersten Erfahrungen mit dieser barocken Violine beschreiben. Es geschah während meines ersten Jahres an der Musikhochschule im Jahr 1998. Ich war an einem Morgen in einer Musikstunde, in der die anderen Studenten noch halb schliefen. Der Lehrer spielte eine CD mit Musikbeispielen und plötzlich hörte ich den schönsten Klang einer Geige. In diesem Moment war ich wach! Das besondere Geräusch der Violine und die Art, wie sie gespielt wurde, berührte mich zutiefst und von diesem Moment an war ich sicher, in welche Richtung meine Musik gehen würde.“ Sie verliebte sich später besonders in die französische Barockmusik und beschloss, in Paris zu studieren. Jesenka Balic Zunic ist unter anderem Mitglied des französischen Barockensembles La Sinfonie du Marais und die Konzerte sind immer voll von „magischen Momenten“.