Johannes Gaudium begrüßte Reisende in den Zeiten,

In die Feste zu Forst kamen Gäste aus nah und fern

Von Jens Dräger - 20.06.2017

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Schlag zehn Uhr öffneten sich am vergangenen Samstag die Pforten der alten Feste zu Forst für die Besucher des Johannes Gaudiums, welches in diesem Jahr zum vierten Male Mann, Weib und Kind aus aller Herren Länder einlud, zusammen der Zeit des Mittelalters zu huldigen. Es sollte ein Spectaculum für jung und alt werden und wurde dem Anspruch wahrlich gerecht. Gleich am Einlass durften die Besucher eine nachempfundene Burg passieren, die mit vier Metern Höhe und zwölf Metern Breite beeindruckte, bevor die Ankömmlinge die Ehre hatten, in eine andere Welt einzutauchen. Ein Jahr voller Planung und Arbeit lag hinter den „letzten Vasallen derer von Bieberstein“ und insgesamt zirka 500 Mitwirkende, Rittersleute, Handwerker, Händler, Gaukler, Musikusse und Bettler trugen dazu bei, dass das Wochenende erfolgreich sein würde.
Pünktlich um elf Uhr eröffnete Veranstalter Aimo Bartel, alias Johann von Bieberstein mit seiner Gemahlin Asazze von Bieberstein das Gaudium und begrüßte die anwesenden Gäste, sowie als Ehrengäste den stellvertretenden Bürgermeister von Forst, Jens Handreck, den Bürgermeister von Ruhland, Herr Uwe Kminikowski und Gerda Allewohl, den Stellvertreter des Landrates, Hermann Kostrewa, der standesgemäß in Gewandung erschien, als auch Direktorin des polnischen Kulturzentrums, Ursula Matuschack.
Mit dem Öffnen der Tore war das Mittelalterspektakel in vollem Gange. Stelzenläufer, Gaukler und Elfen unterhielten die Besucher ebenso, wie Schlangentänzer, Fakire und Feuerkünstler. Musikusse spielten zum Tanze auf und die Luft war erfüllt vom Klang der Drehleiern, Schalmeien, Lauten und Sackpfeifen. An den Zelten konnte man den Erzählern Geschichten aus „Tausend und einer Nacht“ lauschen, oder sich aus der Hand die Zukunft lesen lassen.
Beim Lustwandeln durch den Runenpfad und dem Bestaunen der feil gebotenen Waren trafen wir auf Claudia und Hardy Stein aus der nahen Feste Cottbus, die den beschwerlichen Weg hierher mit ihrem sechs Wochen alten Fjell angetreten sind, welcher an diesem Wochenende wohl der jüngste anwesende Recke gewesen sein wird. Wenige Schritte weiter fiel eine Gruppe Kinder auf, die sich scheinbar sehr für das hier Gebotene interessierten. Daniel Böhm, Schulleiter der Grunschule Noßdorf hatte dreizehn Schüler einer vierten Klasse eingeladen, für einen Tag und eine Nacht mit ihm das Projekt Mittelalter zu erleben. Einmal raus aus der Stadt und hinein ins Abenteuer. Wo kann man nach einem aufregenden Tag sonst schon zwischen Schafen und Pferden unter freiem Himmel die Nacht verbringen und abends noch gemütlich am Lagerfeuer sitzen, um das Erlebte zu verarbeiten?
Allerlei illustres Volk war tagsüber zu bestaunen und das diesjährige Thema „Orient trifft Okzident“, welches darauf beruhte, dass nachweislich Karawanen auch in der Umgebung um Forst gelagert hätten, brachte so manchen „orientalischen“ Besucher in die Niederlausitz, den man hier so nicht vermutet hätte. Einen blauen Dschinn, der scheinbar eben aus der Flasche kam, konnte man ebenso bewundern, wie einige Haremsdamen, bei denen man Bauchtanz lernen konnte und wer der Einladung folgen mochte, konnte es sich auch gerne bei einer Wasserpfeife und einem Glas Tee in einem orientalischen Zelt gemütlich machen. Am Samstagabend wurde eine spektakuläre Feuershow geboten, bei denen die Akteure flammende Elemente zeigten, die ganz sicher nicht alltäglich waren. Mein Plan, mir in einem Selbstversuch bei der Henna-Künstlerin Samira aus Leipzig die Hand mit einer Zeichnung verschönern zu lassen, ging leider nicht auf, da der Terminkalender der sächsischen Erzieherin für dieses Wochenende restlos gefüllt war. So musste ich die orientalische Stätte farblos verlassen. Wer es farbenprächtig und aufgeputzt mochte, konnte sich an dem Grafen von Brühl erfreuen, der mit seiner Präsenz allerorts die Besucher überraschte und sich willig mit jedem fotografieren ließ. Und wer sich gerne ein mittelalterliches Souvenir mit Forster Bezug mit nach Hause nehmen wollte, war an dem Zelt von Christina Anderßon und ihrem Mann Uwe gut beraten. Hedwig von Bieberstein, wie ihr Name im Kreise der Biebersteiner Vasallen lautet, stellt in liebevoller Handarbeit die „Biebersteiner Rose“ aus Ton her. Dieses zauberhafte Kleinod, welches es nur in einer jährlichen limitierten Auflage von einhundert Stück gibt, soll die Heimatverbundenheit der Biebersteiner zur Rosenstadt Forst symbolisieren. Sie wird seit diesem Jahr den Ehrenvasallen überreicht, kann aber auch käuflich erworben werden. Die Ehrenvasallen an diesem Wochenende waren der stellvertretende Landrat Hermann Kostrewa, Jens Handreck, stellvertretender Bürgermeister von Forst, der Bundestagsabgeordnete Ulrich Freese und Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch, die sich am Sonntagnachmittag die Ehre gab und mit den anderen Ehrengästen über den Platz geführt wurde. Hier hatte der Graphicus des Planes die Ehre, die Ministerin vor ihrer Abreise zu zeichnen.
Laut dem Veranstalter Aimo Bartel sind alle Beteiligten mit dem Erfolg des Johannes Gaudiums sehr zufrieden gewesen und ein großer Dank geht an alle kleinen und großen Helfer vor und hinter den Kulissen bei der Vorbereitung Durchführung und Nachbereitung. Und wie heißt es doch so schön: Nach dem Gaudium ist vor dem Gaudium. Die Pläne für das kommende Jahr liegen schon sicher verwahrt auf Pergament gezeichnet an einem geheimen Ort und die Fans, Freunde und Unterstützer des Johannes Gaudiums können sich schon auf das nächste Jahr freuen, wenn es wieder heißen wird:
Willkommen auf schönstem Wiesengrunde umrahmt von stolzen Eichen.