Für Teamgeist und Toleranz im Sport
Von Jens Dräger - 09.05.2017

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Die Sparkasse Spree-Neiße hat die „Sparkassen Fairplay Soccer Tour“ nach 2013 und 2015 zum dritten Mal in die Region geholt. Sie gastierten bereits am 7. März im Kolkwitz-Center und die Resonanz für das große Fußball-Event war riesig: Insgesamt 53 Schulen aus Cottbus und dem Spree-Neiße-Kreis hatten ihre Teilnahme zugesagt und fast 500 Mädchen und Jungen in 117 Teams stellen ihr Können mit dem runden Leder und den fairen Umgang miteinander unter Beweis. Gekickt wurde in drei Altersklassen: Vormittags wurden die Turniere der AK 1 (5-10 Jahre) sowie AK 2 (11-13 Jahre) und nachmittags das Turnier der AK 3 (14-17Jahre) durchgeführt.
Der logistische Aufwand und das komplette Sponsoring der Sparkasse ist immens. Zu jedem der Austragungsorte werden die Teilnehmer mit Bussen gefahren, Speisen und Getränke werden von der Sparkasse zur Verfügung gestellt und auch auch die sonstigen Aktivitäten um das Spielfeld herum werden von ihnen getragen.
Unter dem Motto „Shakehands-Fairplay für gewaltfreien und weltoffenen Sport“ fand am letzten Sonntag auf dem Gelände des Tropical Islands zum vierten Mal das Landesfinale der „Sparkassen Fairplay Soccer Tour“ statt, um sich für das Bundesfinale auf der Insel Rügen zu qualifizieren. Dass neben dem eigentliche Thema, der Fairness, dem Teamgeist und dem Respekt voreinander der Spaß nicht zu kurz kam, merkte man nicht nur an den Namen der Teams. Hier spielten unter anderem „Die drei Pappnasen“, „Die flotten Eichhörnchen“ und die „Cottbuser Kekse“ darum, die Reise nach Rügen anzutreten. Insgesamt 9 Teams aus Cottbus und Spree-Neiße qualifizierten für den Einzug ins Bundesinale, welches vom 20. bis 23.07. 2017 in Prora auf der Ostseeinsel stattfinden wird. Die Teilnehmer aus Cottbus, SPN und Guben waren voll des Lobes für ihre Sparkasse und waren beeindruckt, wie sie sich um die Sportler kümmerte. Besonders erfreulich ist es, dass es zwei Teams aus dem Forster Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium geschafft haben, sich für das Bundesfinale zu qualifizieren. Mit dem Sparkassenbus und toller Unterstützung geht es dann nach Prora. Dafür von unserer Seite schon mal viel Erfolg.
Am Rande der Fairplay Soccer Tour im Tropical Islands trafen wir den ehemaligen Profifußballer René Tretschok, der sich seit vielen Jahren für Kinder und Jugendliche einsetzt und diese Leidenschaft mittlerweile von der Berufung zum Beruf gemacht hat.

FoWo: Herr Tretschok, Sie begleiten die Soccer Sparkassentour seit 2012 und sind der Vizepräsident der Deutschen Soccerliga e.V.. Was ist die Idee hinter dem Projekt?

René Tretschok: Wir haben uns 2008 als großen Verband zusammengetan. Und zwar die Soccer Tour aus Erfurt und ich waren tätig in den nördlichen Bundesländern, Sachsen Anhalt und Brandenburg und wir haben die Idee gehabt, dort eine große Organisation für Kinder und Jugendliche ins Leben zu rufen mit dem Thema Fußball, aber auch unter dem großen Thema Fairplay. Das heißt, wir nutzen Fußball, um das Thema Fairplay bei Kindern, Jugendliche und Erwachsenen zu implementieren.
FoWo: Wir sehen hier teilweise gemischte Mannschaften. Hier spielen Mädchen mit Jungen, hier spielen Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und man sieht hier auch Spielerinnen und Spieler, die ein paar Pfunde mehr haben. Und überall die Werbung vom DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund) „Integration durch Sport“. Ein tolles Projekt, wie ich finde.
René Tretschok: Ja, es ist so, ich habe mein ganzes Leben im Leistungsfußball verbracht. Und es ist einfach so, dass Fußball sehr vielschichtig ist. Mit Fußball kriegt man ja alle (Augenzwinkern). Wie sie ja gerade gesagt haben, Menschen verschiedener Konstitution, unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlicher Religion und das ist so ein bisschen das Thema. Fußball verbindet alle Menschen und auch gesellschaftspolitisch muss man sagen, ist das sehr, sehr wertvoll, weil wir nicht nur den Erfolg in den Vordergrund stellen, sondern durch die Fairplay Wertung werden viele Kinder und Jugendliche animiert, Sport zu treiben, nicht so viel Angst zu haben, auch vielleicht vor dem Neuen. Das ist die Idee, ...ein Turnier zu gestalten, wo es keine Vorurteile gibt. Die Vorgabe ist nur, Fußball spielen zu können. Dies ist die Idee seit vielen Jahren. Es ist auch das größte Jugendprojekt in diesem Bereich in ganz Deutschland, ich glaube auch zu sagen, in ganz Europa, weil wir bewegen mittlerweile zwischen 20 und 25000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer pro Jahr. Wenn man dann noch die ganzen Events dazu packt, die so drumherum sind, sind wir fast bei 50 – 60000. Und alles mit dem Thema Fairplay. Und dies alles nur in den neuen Bundesländern. Wenn wir das bundesweit ausweiten würden, könnten wir sicher noch wesentlich mehr erreichen, aber der logistische Aufwand wäre immens.

FoWo: Als Champions League Sieger und Deutscher Meister sind Sie ein ganz Prominenter und irgendwie auch ein Aushängeschild der Soccer Tour. Bewundernswert, dass Sie sich die Zeit dafür nehmen.

René Tretschok: Seit dem siebten Lebensjahr war ich im Vereinssport und bin sehr dem Leistungssport verbunden, war auf der Sportschule, war viele Jahre Profi und bin selber auch Trainer. Ich habe auch viele Jahre beim Hertha BSC im Leistungsbereich trainiert. Aber ich habe für mich selbst auch gemerkt, dass es viel wertvoller ist, es einem breiteren Publikum zu ermöglichen, Fußball zu spielen. Und wenn man merkt, ich bin ja auch bei jedem Turnier persönlich dabei, wie viele dankbare Menschen dabei sind, wie viele Eltern dabei sind, die sich bedanken, dass die Teilnahme kostenlos ist, dann ist das so ein Thema, welches mir sehr am Herzen liegt. Wir nehmen keine Startgebühr, es gibt viele, die sich das gar nicht leisten könnten. Viele Kinder kommen hier wahrscheinlich nur einmal im Leben hierher und können hier rein (ins Tropical Islands Anm. Red.). Mittlerweile ist es so, dass ich mich vor vier Jahren entscheiden habe, das hauptberuflich zu machen, weil die ganzen Partner, wie die Sparkassen und das Programm „Integration durch Sport“ mich gerne haben möchten und da bin ich gerne bereit, das Thema immer persönlich zu begleiten. Und das kann ich nicht und wollte ich nicht als Nebenjob machen, weil man sonst auch die Glaubwürdigkeit verliert. Ich bin da voll dabei und habe im Jahr um die 100-120 Termine und das macht man nicht mit einem Bein. Es ist wichtig, dass die Leute mich auch greifen können und etwas fragen können.

FoWo: Sind aus dem Projekt in den letzten Jahren schon eventuelle Hoffnungsträger hervorgegangen?

René Tretschok: Am Anfang, wo wir die Kampagne gestartet haben, wurde ich auch gefragt, ob ich scoute für Profivereine. Nein! Im Gegenteil, wir wollen die Kinder und Jugendlichen haben, die aus irgendwelchen Gründen nicht im Vereinssport sind. Die dann über solch eine Kampagne Spaß haben am Mannschaftssport, Spaß haben am Thema: fair miteinander umzugehen. Und auch Spaß an der Sache haben. Die nicht unbedingt gewinnen wollen. Weil unsere Gesellschaft ist leider so: du musst der Beste sein, der Erfolgreichste. Darum geht´s gar nicht. Es geht einfach darum, dieses faire und respektvolle Miteinander. Wir haben sehr viel das Thema Integration, Migration, welches wir seit 2010 aktiv begleiten, nicht erst seit 2015, wo das Flüchtlingsthema aufkam. Wir sind da schon sehr weit und für uns ist es völlig normal, dass Kinder und Jugendliche, die kein Deutsch sprechen können, daran teilnehmen und aus Spaß daran, vielleicht auch den Weg in die Vereine finden. Auf diesem Wege kann man sich viel schneller integrieren, als wenn sie in der Schule erst Deutsch lernen müssen.

FoWo: Herr Tretschok, darf ich sie um ein Wort an die Leser des Forster Wochenblattes bitten?

René Tretschok: Gerne, wir sind im Rhythmus von zwei Jahren immer im Gebiet der Sparkasse Spree-Neiße unterwegs und auch in Forst waren wir seit vielen Jahren schon und das ist immer sehr schön, weil wir da immer unglaubliche Teilnehmerzahlen haben. In Cottbus und in Forst waren fast immer einhundert Teams pro Veranstaltung. Wir sind dort sehr, sehr gerne und ich hoffe, ihr bleibt uns erhalten.


Die gymnasialen Verteter unserer Stadt, „Die Königlichen“, die den ersten Platz in der Altersklasse drei erkämpften und „Die Halbstarken“, welche in der AK II den zweiten Platz erreichten, dürfen sich nun darauf freuen, auf Einladung der Sparkasse nach Rügen zu fahren. Vom 20.-23.Juli werden dort die Sieger der „Sparkassen Fairplay Soccer Tour“ ermittelt. Ein buntes Rahmenprogramm mit Workshops, Freizeitangeboten, Abendprogramm und vielen weiteren Highlights machen dieses Ferienwochenende dann zu einem unvergesslichen Erlebnis am Ostseestrand.