Tag der offenen Tür in der Posamenten Manufaktur

Von Jens Dräger - 05.05.2017
Der Beitrag erschien im Forster Wochenblatt Ausgabe 18/2017

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So mancher Leser mag sich sicherlich an Gerüche aus seiner Jugend erinnern, die er in Verbindung mit Bildern bringt. Genau so erging es mir, als wir die Räume der Posamenten Manufaktur am Keuneschen Kirchweg Nummer 3 zu ihrem „Tag der offenen Tür“ am letzten Samstag betraten. Vor über dreißig Jahren habe ich den Beruf des Schneiders erlernt und hier sah ich sie wieder; die Maschinen aus meiner Lehrzeit, die hier immer noch brav ihren Dienst verrichteten. Hier werden auf teilweise historischen Maschinen traditionelle und moderne Schnüre, Kissenschnitte, Quasten und vieles mehr maschinell und in Handarbeit gefertigt und der Spaß an der Arbeit und die Leidenschaft waren geradezu spürbar. Während Frau Jende über die Geschichte des Traditionshauses berichtet, zeigt sie uns wie nebenher ein Fransenmuster, welches gerade für das Dresdener Schauspielhaus gefertigt wurde. Die kleinen Highlights ihrer Arbeit, auf die sie, wie man deutlich merkt, sehr stolz ist.
Seit 10 Uhr gaben sich hier die Besucher die Klinke in die Hand und bei unserem Eintreffen verließ Stadtführer Hartmuth Seidel auf seiner Tour mit einer Grupper historisch interessierter Radwanderer gerade die heiligen Hallen der über einhundertdreißig Jahre alten Manufaktur.
1884 wurde die Firma von Theodor Wagler gegründet und war seit 1910 preußisch königlicher Hoflieferant. Im Jahr 2006 ist das Unternehmen nach Forst umgezogen und wurde nach einer schwierigen wirtschaftlichen Phase von Diane Maren Jende, der Trägerin des Brandenburger Zukunftspreises 2016, aus der Insolvenz geholt. Scheinbar hatte die junge Frau mit ihrem Geschäftssinn ein gutes Näschen.
Bei den Raumausstattern des Landes hat sich seitdem die Qualität des Handwerksbetriebes bereits herumgesprochen und viele der Besucher sind so sehr angetan vom Service und den Möglichkeiten, die ihnen hier geboten werden, dass aus ihnen feste Stammkunden geworden sind. Die Kunden kommen aus Berlin, Sachsen und dem gesamten norddeutschen Raum.
Auch private Kunden haben bereits die Vorzüge der Manufaktur kennengelernt und kommen immer wieder gerne hier her, um sich im Hause Jende Borten, Kordeln, Quasten und anderes anfertigen zu lassen.
Dass das Unternehmen von dem Ehepaar Christian und Diane Maren mittlerweile auch in Reiseführern im Internet Erwähnung findet, kommt nicht von ungefähr. Auf der Seite www.reiseland-brandenburg.de kann man lesen: „Die Manufaktur stellt traditionelle und moderne Posamenten wie Quasten, Borten, Fransen und Textilkabel auf teilweise historischen Maschinen oder in Handarbeit her. Ein königliches Handwerk wird wieder belebt und für Besucher öffentlich gezeigt. Sie finden hier den wahrscheinlich kleinsten Werksverkauf der Lausitz für Posamenten. Besuchen Sie die Manufaktur und lernen Sie bei einer Führung das Handwerk des Posamentierers kennen.“
Wer die Manufaktur besuchen möchte, kann sich gerne anmelden. Voraussetzung hierfür ist eine Teilnehmeranzahl von mindestens 5 Personen, die dann für 7,00 Euro je Teilnehmer in den Genuss kommen, sich von einem faszinierenden alten Handwerk in die royale Zeit entführen zu lassen.