Zwischen Feldlerchen und Regenwürmern
Von Jens Dräger - 05.05.2017

Zum Ansehen der Fotos in der Bilderstrecke auf eines der Fotos klicken
Automatische Diashow

Auf die kulinarische Feldwanderung freuten sich am letzten Samstag zwanzig Interessierte, davon fünf Kinder, die der Einladung des Gutes Neu Sacro gefolgt sind, um einen lehrreichen Vormittag in freier Natur zu verbringen. Begrüßt wurden die Teilnehmer von der Objektmanagerin Sylvia Müller, die für den Fall, dass dem einen oder anderen kalt werden sollte, jedem der Erwachsenen erst einmal als kulinarische Einstimmung ein „Schnäpschen am Band“ als Wegzehrung überreichte. Nachdem alle Anwesenden versorgt und auch die letzten angekommen waren, stimmte Bernd Starick, einer der beiden Vorstände der Bauern AG Neißetal, die Teilnehmer auf die folgenden zweieinhalb Stunden Wanderung ein und informierte sowohl über die junge Geschichte des Gutes, als auch über die weiteren Pläne, wie die Fertigstellung des alten Kuhstalls, in dem man seit einiger Zeit schon speisen konnte, sowie die Aufstockung des Milchkuhbestandes von derzeit 460 auf 850 Kühe.
Bei frischem Wind und Sonnenschein führte Bernd Starick das Grüppchen, begleitet von den neugierigen Kühen des Gutes, über einen Feldweg zur ersten Station, wo er einen sehr interessanten Vortrag über die Biolandwirtschaft hielt. Begleitet wurden die Anwesenden während der Wanderung außerdem von einer Feldlärche, die hoch oben ihr Lied sang. Bei dieser ersten Station wartete bereits der Chefkoch des Gutes Neu Sacro, Chris Olzog, auf die Wanderer mit frischem Johanniskernbrot und selbstgemachtem Quark, der aus der Milch der hier gehaltenen Kühe hergestellt wurde. Hier konnten die Anwesenden in einem Test auch den Unterschied zwischen frischer Kuhmilch und der Milch aus dem Supermarkt schmecken. In sehr anschaulicher Weise stellte Bernd Starick in einem kleinen Rechenbeispiel dar, welche Vorzüge die Haltung des Milchviehs hier auf dem Gut hat. Hier durfte sich eine Kuh auf einem ganzen Hektar Land wohl fühlen, während anderswo dem milchgebenden Herdentier nur ca. 0,4 ha zur Verfügung stehen.
An Station zwei angekommen, ging es in die Tiefe. Wer hätte schon gedacht, dass in einem Kubikmeter Boden etwa 600 Regenwürmer ihren ökologischen Dienst verrichten und den Boden wasserdurchlässig machen, für ausreichende Bodendurchlüftung sorgen und ihn zudem auch noch düngen? Außerdem konnte man hier erfahren, dass durch die Fruchtfolge und die unterschiedliche Tiefe und Beschaffenheit der jeweiligen Wurzeln eine hervorragende Kapillarwirkung erzielt wird, die es dem Boden ermöglicht, bei Bedarf bis zu 100 Liter Wasser pro Stunde aufzunehmen. Für die Kinder hatten die Mitarbeiter des Gut Neu Sacro noch ein sehr anschauliches Experiment vorbereitet, bei dem die Saugspannung der Pflanzen demonstriert werden konnte. Durch einen durchsichtigen Schlauch, der sich an einem im Boden befestigten, ca. vier Meter hohen Pflock befand, durften die Kinder rote Limonade ansaugen, um zu sehen, was für eine Kraft die Pflanzen aufbringen müssen, um an das kostbare Nass zu kommen. Natürlich gab es auch an dieser Station einen kleinen Snack.
Für die Leckermäuler unter den Besuchern wurde es dann nach einer weiteren Wanderung an der dritten Station interessant. Hier ging es um den allseits beliebten Zucker. Chris Olzog, der mit dem Gut-eigenen Transporter nach jeder absolvierten Station immer dem Grüppchen vorausfuhr, hatte hier einen kleinen Gaskocher vorbereitet, um den Kindern zu demonstrieren, wie einfach man aus Zucker, den man in einem Topf erhitzt, Bonbons machen kann. Leider konnte das Experiment nicht bis zum Ende durchgeführt werden, da durch Wind und aufkommenden leichten Regen die Bedingungen nicht optimal waren. Interessant waren jedoch weiterhin die Ausführungen von Herrn Starick, der auch zum Thema Zucker allerlei Wissenswertes zu berichten wusste.
Am vierten und letzten Halt sah man schon von weitem das Schild „Futter am Stiel“, welches darauf hinwies, dass man es hier mit den Erzeugnissen zu tun haben würde, die auf den Feldern wachsen. Mit einem scharfen Messer schnitt Bernd Starick einen Halm der Länge nach auf und zeigte den interessierten Wanderern das Innenleben desselben, in dem bereits winzig kleine Ähren zu erkennen waren. In einer Abhandlung über Getreide erfuhr man hier einiges über den Weizen, seine verschiedenen Qualitäten und deren Anwendungen, sowie seine Produkte und zur Freude der Männer gab es hier die Möglichkeit, ein frisches Glas Weizenbier zu probieren. Selbstverständlich kamen auch hier die Kinder nicht zu kurz und konnten von den Keksen naschen und Malzbier kosten.
Nach dieser inhaltsvollen und erlebnisreichen Feldwanderung waren es nun nur noch wenige Schritte bis zum Gut zurückzulaufen und im Kuhstall warteten gedeckte Tische und ein reichhaltig und liebevoll angerichtetes Buffet auf die Wanderer. Neben Frühlingssuppe, Salat und belegten Broten durften sich die Teilnehmer auf einen deftigen Schweinebraten mit Gemüsen und wahlweise Kartoffeln oder Kroketten freuen.