Vom Mittelalter bis zum Grafen von Brühl

Von Jens Dräger - 04.05.2017

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Seit wenigen Jahren gibt es hier in Forst eine Gruppe Gleichgesinnter mit einem ganz besonderen Hobby. Die Gruppe ist dem Leben mit all seinen Facetten im Mittelalter zugetan, kleidet sich entsprechend und trifft sich in seiner Freizeit zu so genannten Gewandungstreffen, bei denen auch Sympathisanten eingeladen sind.
Wie man auf die Idee eines mittelalterlichen Gewandungstreffens kommt, erklärte uns in einem Gespräch Herr Aimo Bartel, mit dem Forster Wochenblatt sich getroffen hat. Aimo Bartel und seine Frau kamen vor ca. 6 Jahren aus der Gegend um Dresden nach Forst. Die beiden gingen von jeher gerne auf Mittelaltermärkte und die Ankündigung, dass es im Manitu ein Mittelalteressen geben sollte, interessierte die beiden sehr. Sie sind natürlich, wie es ihrem Hobby entspricht, dort als Gewandete hingegangen und die anderen Gäste dachten, sie würden zum Programm gehören. Dass dem nicht so war, musste einigen Gästen ersteinmal erklärt werden.
Durch das authentische und charmante Ambiente im Manitu reifte in den Dresdnern die Idee, hier müsste man etwas draus machen, was sich wiederholen würde. Etwas, was ihrem Hobby, dem Mittelalter entsprach. Diese Idee schlummerte über ein Jahr, bis Aimo Bartel dann an den Besitzer der Erlebnisgaststätte, Frank Pfitzmann, eine Mail schrieb und den Vorschlag unterbreitete, sich diesbezüglich einmal auszutauschen.
Das Thema der Mail war im Groben eine Mittelalterveranstaltung. Die Antwort kam prompt und gemeinsam war man der Meinung, dass das eine ausbaufähige Idee sei. Und so fing das Mittelalter allmählich an, in Forst Einzug zu halten. Der Zufall wollte es, dass ein ehemaliger Kollege von Herrn Bartel bei den „Senftenberger Vaganten“ war, die ebenfalls dem Hobby des Mittelalters zugetan sind. Zur gleichen Zeit trafen sie auch auf die Mitglieder der Gruppe Ravenchild und es gründete sich im gleichen Jahr die Tanzgruppe Rondo Lusatia. Somit schloss sich durch das gemeinsame Interesse der Gruppen ein Kreis Gleichgesinnter und Aimo Bartel als geistiger Vater der Forster Gemeinschaft hat das Johannesgaudium gegründet.
Der Wunsch der Gruppe um Aimo Bartel ist es zum einen, die historischen Wurzeln des Mittelalters in und um Forst für alle erlebbar und sichtbar zu machen. Andererseits bietet dieses außergewöhnliche Hobby auch die Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen. Oder wie unser Gesprächspartner sagt: „Man schlüpft in eine Rolle rein und lässt den Alltag hinter sich.“ Jeder ist hier auf Du und es gibt keine Standesunterschiede. Hier stellen Kämmerer, Lederer und Töpfer ihre Künste vor und es wird mittelalterliches Häkeln, eine Waffenschmiede, bei der die einzelnen Formen der Schwerter und deren Verwendung vorgestellt werden gezeigt. Für den leiblichen Genuss wird es auch eine mittelalterliche Küche geben.
Zum Johannes Gaudium kann man auf ihrer Internetseite www.johannesgaudium.de lesen:
„Das Johannes Gaudium ist ein Mittelalterwochenende für Jedermann zum Anfassen und Mitmachen mit einer Reise in die Vergangenheit der Stadt Forst /Lausitz von der Zeit der fast 300-jährigen Herrschaft der Biebersteiner über Nickel von Rothe, Herzogin Luise Elisabeth von Sachsen-Merseburg bis in die Zeit des Grafen Heinrich von Brühl.“
Das Highlight der Mittelalterfreunde war bisher die 750-Jahrfeier in Forst, wo sie sich erfolgreich präsentierten und hat auch hier wieder Fans gebracht. Sie legen großen Wert darauf, nicht einfach nur ein Mittelaltermarkt zu sein, sondern möchten den Bezug zur Heimat schaffen. Daher ist es ihnen auch wichtig, die Menschen aus der Region für ihre Leidenschaft zu begeistern.
Mittlerweile werden sie aber auch bundesweit eingekauft und organisieren Veranstaltungen.
Alle, die sich für das Thema Mittelalter interessieren und nicht bis zum „Johannes Gaudium“, welches am Wochenende vom 10. Auf den 11. Juni auf dem Gelände des Manitu stattfindet, warten möchten, sind herzlich eingeladen, beim nächsten Gewandungstreffen am 24. März, am Kegeldamm 13, im Gewölbekeller des „Café am Kegeldamm“ vorbeizuschauen.
„Beim ersten Gewandungstreffen dachten wir, es kommen nur ein paar Interessenten und Gleichgesinnte“, so Aimo Bartel, „aber es kamen Besucher aus Cottbus, Peitz, Spremberg, etc. und wir waren mehr als positiv überrascht.“
Das vierte Johannes Gaudium, welches in diesem Jahr unter dem Motto „Orient trifft Okzident“ steht, freut sich über ihren Besuch und möchte sie zum Staunen bringen.
Sie können unter anderem ein orientalisches Lager bewundern mit echten Kamelen und jeder Menge Attraktionen.
Handel, Handwerk, Speisen, feinste Angebote für Auge und Ohr und natürlich jede Menge Gaudium wird es auch in diesem Jahre wieder geben, wenn es wie es im letzten Jahr wieder heißen wird:
Willkommen auf schönstem Wiesengrunde umrahmt von stolzen Eichen
Eure letzten Vasallen derer von Bieberstein.